Kürzlich habe ich mich mit ein paar Leuten getroffen, um über die Zukunft nachzudenken. Wir waren einige mehr, als dass wir in einen Stuhlkreis gepasst hätten. Ein paar Hundert, um genau zu sein. Und ich habe sie auch nicht alle gekannt oder mich mit ihnen persönlich unterhalten können. Konferenz nennt man sowas.
Und auch wenn da Menschen mit ganz unterschiedlichen Weltanschauungen zusammenkamen, konnten wir uns doch weitestgehend darauf einigen, dass wir uns eine menschlichere und schönere Zukunft vorstellen im Vergleich zur Gegenwart, in der wir uns gerade befinden.
Es ist nicht alles schlecht an der Gegenwart, im Gegenteil. Ich habe in diesem Blog ja bereits über die Zukunft geschrieben und dass ich überzeugt bin, dass sie nicht einfach auf uns zurollt, sondern dass wir selbst die Zukunft sind!
Wenn ich mir also vergegenwärtige, wie viele wunderbare Menschen ich selber kenne und dass es hochgerechnet auf die anderen paar Milliarden Menschen unfassbar viele wunderbaren Menschen geben muss, dann glaube ich auch, dass die Grundvoraussetzungen für eine menschlichere Zukunft bereits in uns angelegt sind.
Was wir quasi als Reiseproviant auf dem Weg dorthin brauchen, sind gute Ideen und Gedanken. Ich habe dir hier deshalb ein paar Häppchen von unserem Zukunftstreffen* mitgebracht, die ich als besonders hilfreich und nahrhaft empfand. Sie haben weder Anspruch auf Allgemeingültigkeit noch Vollständigkeit. Aber hey, chill mal, wann hatte das ein Reisesnack jemals schon?!
- Vom Historiker, Journalisten und Autoren Dr. Markus Spieker wurde ich an die Wichtigkeit von Büchern erinnert. Er sagte, dass wir uns, um gesund zu bleiben, immer mal wieder einer Wurzelbehandlung unterziehen müssen; dass wir uns also «verwurzeln» müssen. Er zitierte die französische Sozialrevolutionärin und Philosophin Simone Weil, die über Verwurzelung geschrieben hatte. Nämlich dass wir, um zu geben, zuerst besitzen müssen: Schätze aus dem Vorangegangenen. Spiekers zusammenfassender Appell: «Lest alte Bücher von weisen Menschen und lernt von ihnen für eine hoffnungsvolle Zukunft!»
- Von der Architektin Anna Philipp, deren Familie seit 11 Generationen schöne Orte für Menschen baut, wurde ich daran erinnert, dass Schönheit und Liebe eng miteinander verknüpft sind. Sich den Blick eines liebenden Gottes gewiss zu sein, ermögliche es, Liebe in die Welt zu tragen, sagte Philipp. Ähnlich hatte ich dieses Zusammenspiel auch schon beim Benediktiner Anselm Grün entdeckt, der sagte, dass Schönheit in den Menschen Liebe erzeugt. Und zwar so: «Das deutsche Wort Schönheit kommt von schauen. Wer andere liebevoll anschaut, der entdeckt ihre Schönheit. Schönheit ist kein äußeres Ideal, sondern hängt davon ab, wie wir uns anschauen. Das Gegenteil ist hässlich und stammt von hassen. Wenn ich jemanden hasse, dann finde ich ihn hässlich und werde dabei selbst hässlich.»
- Der österreichisch-amerikanische Maler Daniel Domig räumte mit dem Missverständnis auf, dass Künstler wissen, was sie tun, bevor sie es wirklich gemacht haben. Denn: Künstlerisches Arbeiten ist nicht einfaches Umsetzen. Es ist Dialog mit dem jeweiligen Medium und mit der Welt. Besonders gefiel mir, wie er über die Intimität zwischen Menschen sprach. Intim zu werden heißt, sich im Anderen zu verlieren. Das führt zu einer wunderbaren Sprachlosigkeit. «Da wo du sagst: Ich weiss doch nicht, da sagt die Kunst: Das macht doch nichts!» Dasselbe sollten wir als Gegenüber auch immer wieder sagen. Dazu gehört die Erkenntnis, dass die Welt zu kultivieren eben heisst, ihr (und damit auch wir einander) zuzuhören und dafür Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld aufzubringen. Er schloss mit den Worten: «Wir müssen das Schöne, das Wahre und das Gute immer wieder neu empfangen.»
- Das i-Tüpfelchen obendrauf (weil er den Punkt von Domig so herrlich bestätigte) setzte für mich dann der deutsche Steinmetz Friedrich «Fritz» Meyer. Als er gefragt wurde, weshalb er schwarzen Basalt so kunstvoll bearbeite, sagte er: «Weil ich nichts anderes kann. Und weil ich nichts anderes will.» Und auf die Frage, weshalb er sich diese harte, körperliche Arbeit antue, antwortete er nur: «Das weiss ich nicht!» Er stellte fest, dass das Schöne doch einfach da sei, und wir uns nicht übermäßig anstrengen müssen, um es zu entdecken und rauszuschälen. An die junge Generation gewandt schloss er damit: «Lass dich nicht entmutigen. Renne keinem Trend hinterher. Frage dich, was du dem Gesamten Gutes hinzufügen kannst.»
So. Viel Spass beim Verdauen, das muss als Zukunftssnack vorerst mal wieder reichen. Tschüss!
* Bei der Konferenz handelt es sich um das «Eden Fest», das vom 7.–9. Juni 25 in Augsburg stattfand. Die Inhalte stammen aus meinen persönlichen Notizen und sind, wenn nicht anders vermerkt, frei zitiert.