«The only thing more powerful than hate is love»
Der Satz hätte das Potential, als billige Kalenderspruch-Weisheit abgedruckt zu werden. Doch im gesellschaftlichen und politischen Zusammenhang, auf diesem riesigen LED-Screen, schwarze simple Schrift auf weißem Hintergrund, war es schon eine Wucht. Irgendwie kitschig, aber auch clever gespielt, Mister Bad Bunny!
Von vorne: Wir schreiben den 8. Februar 2026, der 60. Super Bowl steht an. Es ist eines der größten Einzelsportereignisse der Welt und erreicht über 100 Millionen Personen weltweit. Doch der Sport interessiert die wenigsten. Die Aufmerksamkeit liegt mehr auf dem Ding in der Mitte des Events: Die Halbzeitshow! Seit den 90er-Jahren treten da große Namen aus der Musikszene auf und die Show wurde zu einem riesigen Popculture-Phänomen.
In diesem Jahr gehörte die knappe Viertelstunde dem puerto-ricanischen Superstar Bad Bunny. Und spätestens nach seinem klaren Statement an den Grammys war klar: Diese Show könnte politisch aufgeladen werden. Und das war sie dann irgendwie auch, aber anders als alle erwartet haben. Es war eine Feier der Liebe, Gemeinschaft und dem Zusammenhalt der panamerikanischen Nationen. Doch in Zeiten wie diesen kann auch so eine Party ein politischer Akt werden. Und zum Schluss dieser spektakulären Show die Botschaft:
«Together we are America»
und der eingangs erwähnte Satz über die Liebe. Als ich mich durch all das witzige Behind-the-Scenes-Material von menschlichen Büschen durchgeklickt habe (falls nicht gesehen, unbedingt nachholen), machte ich mir nochmals Gedanken zum Schlusssatz. Als harmoniebedürftiger Mensch mit Hang zum Zynismus, frage ich mich: Ist das zu einfach? Bei meinem eigenen Storytelling ist mir jedenfalls die Botschaft «Liebe ist die Lösung» meistens zu plump. Doch bei gesellschaftlichen Debatten spüre ich trotzdem in mir das Verlangen nach mehr Empathie, Vertrauen und Ehrlichkeit. Alles Eigenschaften der Liebe, denkt man sie über die Valentinstags-Version hinaus.
Bei KREUZWEISE gibt es den Song «Liebe in Person». Als wir ihn im vergangenen Jahr in der Musiktheater-Version platzieren mussten, fühlte er sich sperrig und kitschig an, in dem sonst so dramatischen Stück rund ums Kreuz.
Du bist Liebe, Liebe, Liebe in Person
Du bist Liebe, du bist wahrlich Gottes Sohn
Selbst im Angesicht des Tods
Hattest du das letzte Wort
Frommer geht’s nicht, sagt der Zynismus in mir. Liebe ist vielseitiger als du denkst, sagt mein Verstand. Später im Song folgen dann diese Zeilen:
Du wurdest verleugnet
Hast nie auf dein Recht gepocht
Du hast Versöhnung möglich gemacht
Amen dazu! Der Wind ist rau da draußen und so blöd es klingen mag, wir sollten mehr auf uns Acht geben. Im weltumspannenden Sinn bis hin zu deinem engsten Umfeld. Liebe ist ein komplexes Gefühl. Aus Liebe kann ich für eine andere Person einstehen und für mehr Gerechtigkeit sorgen. Oder ich kann mich ehrlich um andere kümmern. Vielleicht auch mal das eigene Ego hinten anstellen. Darf man übrigens auch auf einer hochrangigen Führungsposition wie zum Beispiel als Präsident der … ach lassen wir das.
Ich schliesse mein Plädoyer mit einem weiteren kalenderspruchreifen Zitat, welches vom Fotografen und Erfinder der «one world flag» stammt. Thomas Mandl sagte einst:
«Es ist einfacher, gegen etwas zu sein. Ich möchte aber vielmehr für etwas sein!»
Diesem Vorhaben möchte ich mich anschließen: Für die Liebe.