Superhelden lassen mich kalt. Auch Kommissar Dupins unzählige Kriminalfälle haben mich nie gross interessiert. All diese Geschichten fühlen sich irgendwie gleich an. Archetypen, die unzählbar oft aufgewärmt und wieder durchgekaut wurden. Diese Überfülle an Sensationsgeschichten trieb mich immer weiter von ihnen weg und ließen mich eines Tages realisieren, was mich wirklich interessiert: Das normale Leben.
Amerika, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein Mann namens Robert Grainier arbeitet als Teil einer Holzfällertruppe an der neuen Eisenbahnlinie, die sich immer weiter einen Weg durch das Land bahnt. Er führt ein einfaches Leben in den riesigen Wäldern im Westen Amerikas. Im Laufe der Zeit lernt Robert eine Frau kennen. Sie bauen sich eine Blockhütte und kriegen eine Tochter. Während er für das Fällen der Bäume immer wieder für mehrere Monate unterwegs ist, wird ihm vor allem anhand seiner Tochter bei jeder Rückkehr bewusst, wie rasch das Leben vergeht. Der Film endet auf tragische Art und Weise und erzählt eine Geschichte, in der keine Helden vorkommen. Vielmehr sind die Gespräche der Holzfäller rund um das Lagerfeuer geprägt von Themen wie die Vergänglichkeit des Lebens, Reue früherer Taten oder Heimweh. Gedanken, die die Menschen seit jeher bewegen.
«Robert Grainier tut nichts, was den Lauf der Geschichte grundlegend verändert – er kämpft nicht in einer großen Schlacht und erfindet nichts, was das Leben der Menschen verändert, und doch führt er ein sehr tiefgründiges und reiches Leben.»
Regisseur Clint Bentley über die Hauptfigur seines Films
«Train Dreams» – ein Film, der auf dem gleichnamigen Buch und einer wahren Geschichte basiert, hat mich emotional komplett auseinandergenommen. Aufgrund der Natürlichkeit der dargestellten Situationen und Emotionen war es sehr leicht, Parallelen zum eigenen Leben zu finden. Man identifiziert sich selbst mit den Charakteren. Nicht nur die Dialoge, auch die Belichtung, die Kamera – alles fokussierte sich darauf, die dargestellten Szenen so nahe am echten Leben wie möglich erscheinen zu lassen. All das ließ mich mit dem Gedanken zurück, dass das echte Leben so einfach und doch so schön sein kann. Auch wenn der Film trotz vier Oscar-Nominierungen leer ausgegangen ist, nimmt er in meiner persönlichen Wertung mühelos in der Top 10 Platz ein.
Die Schönheit der alltäglichen Dinge ist ein Geschenk. Auch wenn sie mit Sicht auf eine ewige Perspektive klein erscheinen mögen, gehören sie zum Menschsein dazu. Davon möchte ich mehr Geschichten lesen, schauen, hören und auch selbst erzählen. Gleichzeitig nehme ich mir vor, in meinem eigenen Leben das Kleine zu schätzen und eine dankbare, aufmerksame Haltung einzunehmen.