Ein Tag als Yachtbesitzer

Ein sonniger Abend im Frühling und ich laufe am Steg des Hamburger Hafens entlang. Eine feine Brise weht mir entgegen und das Licht der langsam sinkenden Sonne glitzert im Wasser der Elbe. «Hafenrrrrrundfahrt!», ruft der in Streifen gekleidete Matrose vom Ufer und ich folge seiner Einladung. Nachdem wir an gigantischen Kränen und riesigen Containerschiffen vorbei geschippert sind, kommen wir nun in den Hafenbereich, in dem die Luxusyachten geparkt werden. Der Captain erzählt uns, ein Quadratmeter dieser Yacht koste eine Millionen Euro. Crazy. Ich bin nicht gerade ein Mathegenie, aber wenn ich das hochrechne auf die Länge der Yacht, dann ergibt das: ganz schön viel Geld. Auch wenn es ein Stückchen entfernt ist von meiner eigenen Lebensrealität, versuche ich mich gedanklich in so einen Yachtbesitzer hineinzuversetzen. Wie geht es ihm wohl? Hat der die beste Zeit seines Lebens und ist durch und durch glücklich? Oder hat er auch manchmal dieses Gefühl von innerlicher Leere, das mir immer wieder begegnet?

Mich beschäftigte zu dieser Zeit tatsächlich die Frage, was mich in meinem Leben eigentlich wirklich glücklich macht. Viele Dinge versprechen mir zwar dieses Glück, aber die wenigsten können ihr Versprechen einhalten. Es gibt diese leise Werbestimme in unserem Kopf, die uns einredet, wenn du das und das besitzt, dann wird es dir besser gehen. Oder wenn du dieses und jenes erreicht hast, dann wirst du wirklich glücklich sein. Vielleicht flüstern mir auch manchmal die Algorithmen ins Ohr, ohne dass ich es bemerke. Oder die laute Stimme der Konsumgesellschaft, die mit den Lyrics von Nina Chuba schreit: «Ich will haben, haben, haben!». In meinem Leben ist es vielleicht nicht die millionenschwere Luxusyacht, aber dieses «noch ein bisschen mehr», das mich umtreibt. Wenn ich noch ein bisschen mehr verdienen würde, wenn ich noch ein bisschen mehr Streams auf Spotify hätte, wenn ich noch ein bisschen mehr Bewunderung bekommen würde, für das, was ich als Künstler mache – dann wäre ich bestimmt glücklicher als ich es jetzt bin. Aber ist dem wirklich so?

Wäre mein Konto niemals leer

Und mein Cash nicht limitiert

Erklämme ich den höchsten Berg

Und könnte alles kontrollieren

Wäre ich mein eigener Herr

Könnte machen, was ich will

Hätt ich von allem noch viel mehr

Wär meine Sehnsucht dann gestillt

(Aus dem Song «Das Schönste dieser Welt» von Simon Taglauer)

Jesus stellt an einem Punkt seinen Jüngern die rhetorische Frage: «Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seine Seele verliert? Gibt es etwas Wertvolleres als die Seele?». Guter Punkt, Jesus. So oft habe ich schon erlebt, dass, wenn ich das Ersehnte erreicht habe, in meinem Innersten dennoch ein Stückchen unerfüllte Leere zurückbleibt. Ich kann es biologisch nicht beweisen, aber ich glaube, dass unsere Seele ein Loch hat, das gottförmig ist. Und wie bei einem Formensteckspiel für kleine Kinder kannst du zwar versuchen, das Dreieck in die Kreisöffnung zu quetschen, aber es wird am Ende nicht reinpassen. Du kannst versuchen, deine Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung mit Herzchen auf Instagram zu decken, aber es wird niemals ausreichen. Du kannst das teuerste Boot der Welt besitzen und um die Welt segeln, aber deine Seele wird dennoch nie zuhause ankommen.

Was nützt mir all der Reichtum der Welt

Wenn ich mein Kostbarstes dabei verlier’

Unruhig ist mein Herz

Bis es ruht bei dir

Ein paar Tage nach meinem Trip nach Hamburg lasse ich das Erlebte noch einmal Revue passieren auf einem Spaziergang. Die Frage nach dem, was das Glück in meinem Leben ist. Eine leise Stimme, die jedoch anders klingt, als die altbekannte Werbestimme, erinnert mich liebevoll an Zeilen aus Psalm 73. Ich merke, wie diese jahrhundertealten Worte von meinem Kopf hinunter in mein Herz rutschen und ein innerer Friede sich breit macht. Die Worte des Psalmisten werden in mir zu einer Melodie, aus der sich aus dem Moment heraus ein Song formt.

Dir nah zu sein

Dir nah zu sein ist mein Glück

Du bist das Größte, das Schönste

Das Beste für mich

Selbst das Größte, das Schönste

Dieser Welt ist nichts ohne dich

> Den ganzen Song «Das Schönste dieser Welt» anhören

 

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