Eine Idee vom Tag

Wenn du diesen Blog regelmässig mitverfolgst und liest, dann weisst du, dass ich mich seit geraumer Zeit gerne mit Utopien beschäftige. Nicht in erster Linie, weil ich das Unrealistische mag. Im Gegenteil: Ich bin sehr gerne im Moment und interessiere mich dafür, wie ein gutes Leben gelingen kann. Doch genau für dieses gelingende Leben brauchen wir als Menschen immer wieder gute Ideen. Aktuell vielleicht sogar mehr als auch schon.

In seinem Buch «Utopien für Realisten» argumentiert der niederländische Historiker Rutger Bregman, dass Gesellschaften gemeinsame Zukunftsbilder und grosse kollektive Ziele brauchen, um Orientierung, Sinn und Fortschritt zu erleben. Wenn eine Gesellschaft nur noch darauf ausgerichtet ist, Probleme zu verwalten oder den Status quo zu erhalten, entsteht laut ihm ein Vakuum: Menschen verlieren das Gefühl, auf etwas Grösseres hinzuarbeiten.

Laut Bregman waren viele historische Fortschritte – etwa weniger extreme Armut, bessere Gesundheit oder mehr Sicherheit – gerade deshalb möglich, weil frühere Generationen utopische Ziele hatten. Ohne neue positive Visionen jedoch drohen Frustration, Zynismus und Ersatzkonflikte.

Utopien sind also nicht einfach naive Fantasien, sondern eine notwendige gesellschaftliche Antriebskraft. Neue Ziele geben uns als Gesellschaft Richtung und helfen, Energie in konstruktiven Fortschritt statt in destruktive Konflikte zu lenken.

Zugegeben, das klingt ziemlich gross. Die Frage sei deshalb erlaubt: Wie setze ich das jetzt ganz konkret in meinem Alltag um?

Bei der gemeinsamen «Auditüre» sind meine Frau und ich beim deutschen Musiker Clueso fündig geworden. Er war wieder einmal bei seinem langjährigen Freund Matze im Podcast-Studio zu Gast. Matze stellte fest, dass Clueso immer schon «auf eine positive Art selbstzufrieden» (zufrieden mit sich und der Welt) war. Insbesondere aber auch jetzt in der Mitte seines Lebens, in der doch viele Menschen enormem Druck ausgesetzt sind, schien er ziemlich ausgeglichen zu sein.

Das Geheimrezept von Clueso?

«Ich brauche eine Idee vom Tag.»

Er mag Ziele, aber eben auch das Freie. Sowohl Beruf als auch Freizeit, Schönes und Notwendiges. An einem ganz normalen Tag versucht Clueso deshalb, beides zusammenzubringen, eben eine «Idee vom Tag» zu haben.

Dabei geht es wesentlich auch darum, dass diese Idee eine grobe ist. Es geht also weniger um konkrete Pläne, sondern um eine «Windrichtung», wie Clueso sagt. Er schaut, wie der Tag läuft, ist nicht verbissen. Aber wenn er nach einem Tag in der vorgegebenen Windrichtung unterwegs war, dann ist er im Grossen und Ganzen «happy», wie er sagt.

Das ist doch mal eine bildhafte und doch sehr praktische Lektion in Sachen Achtsamkeit. Danke dafür, Herr Clueso! Seither begleitet uns zu Hause die Idee von der «Idee vom Tag» in unserem Alltag. Sie sorgt tatsächlich nicht nur für Happyness, sondern manchmal sogar für spürbar mehr Ausgeglichenheit und ein sanftes Vorwärtsgefühl.

Egal wie utopisch deine Vorstellung für dein Leben und das Leben anderer um dich herum ist: Mache dich auf in diese Richtung. In täglichen Etappen.

Ich für meinen Teil arbeite aktuell ja mit an der Utopie Weltfrieden. Selbstredend liegt noch eine ziemliche Wegstrecke vor uns. Aber mir gefällt die Windrichtung. Und ich versuche täglich irgendwo in und um mich herum Frieden zu stiften. Das macht mich happy.

Wohin bist du unterwegs und welche Idee von deinem Tag hast du? Ich wünsche dir dabei auf jeden Fall Rückenwind!

 

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